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watchOS: Das Ökosystem der Apple Watch nimmt Gestalt an

App Annie

 

Bei der Vorstellung der Apple Watch präsentierte Apple ein Video, das vor grandiosen Bildern nur so strotzte: majestätische Satellitenaufnahmen der Erde auf dem Display der Watch, Nahaufnahmen von sich hypnotisch schlängelnden Armbändern und schließlich unzählige Uhren, die wie ein Meteoritenschwarm durchs Bild wirbeln und die vielfältige Auswahl an Designs illustrieren. Als Dreingabe zeigte Apple kommentierte Kurzclips über die Herstellung der Editionen Gold, Edelstahl und Aluminium und unterlegte damit eindrucksvoll den Beginn dessen, was Tim Cook als „das nächste Kapitel in der Geschichte von Apple“ bezeichnete.

Die kürzlich veröffentlichten TV-Spots des Unternehmens, auf die schließlich auch noch ein Sonderangebot im Bundle mit dem iPhone folgte, zielen dagegen in eine ganz andere Richtung. Auch wenn diese warmen, verspielten und sehr persönlichen Clips nur kurze Blicke auf die Apps von Apple und anderen Anbietern gewähren, zeigen sie doch eindrucksvoll, in wie vielen unterschiedlichen Situationen sich das Gerät in das tägliche Leben seiner Nutzer integrieren lässt. Betrachtet man die Entwicklung rund um die Apple Watch etwas genauer, stellt man fest, dass es mittlerweile ein durchaus umfangreiches und vielfältiges Angebot an Apps für die Uhr gibt.

Geräteoptimierung und der Einfluss von iOS

Dieser Kontrast zwischen einzigartigem Gerät und breiter Anwendungsmöglichkeit spiegelt sich im aktuellen watchOS-Katalog wider. Im Juni, als Apple erstmals die Entwicklung nativer Apps für die Apple Watch ermöglichte, verzeichnete App Annie insgesamt 6.352 Apps für die Apple Watch und stellte Dienstprogramme, Spiele, Produktivität sowie Gesundheit und Fitness als fünf Topkategorien fest. Die meisten Apps stammten dabei aus den dominierenden iOS-Crossover-Kategorien sowie aus speziell für das Gerät optimierten Kategorien. Die Kategorie Spiele beispielsweise ist unter allen iOS-Kategorien führend, wohingegen Gesundheit und Fitness bei watchOS einen viel höheren Rang einnimmt (Rang 3) als bei iOS (Rang 9).

iOS-Kategorien nach Gesamtzahl von Apps

Stand 1. Dezember 2015 hat sich die Zahl der Apps für die Apple Watch mehr als verdoppelt und steuert auf 15.000 zu. Und nicht nur die Anzahl der Apps hat sich verändert. Es werden Parallelen zur Entwicklung von Drittanbieter-Apps für das iPhone erkennbar. Diese existierten zunächst ebenfalls nur als extern gehostete Websites und vermehrten sich dann explosionsartig, als eine native Entwicklung für die Plattform möglich wurde. Bemerkenswert dabei ist, dass die Kategorie Spiele die Kategorie Hilfsprogramme als führende Kategorie abgelöst hat. Eine weitere starke Parallele zu iOS.

Apple Watch-Kategorien nach Gesamtzahl von Apps

Im Vergleich zur Verteilung der iOS-Kategorien weist der Bestand an Apple Watch-Apps eine geringere Konzentration an der Spitze auf. Auf die fünf führenden watchOS-Kategorien entfallen 44 % aller Apps, während die fünf größten iOS-Kategorien ingesamt 57 % auf sich vereinen. Das liegt größtenteils an der Spielekategorie, deren Anteil bei watchOS trotz schnellen Wachstums nur halb so groß ist wie bei iOS. Nur eine Kategorie – Kataloge, für das unter 2 Zoll große Display der Watch ohnehin wenig geeignet – hat einen Anteil von weniger als 1 % an allen watchOS-Apps. Bei iOS gibt es dagegen gleich drei Kategorien mit einem Anteil von unter 1 % (Kataloge, Wetter und das erst kürzlich eingeführte Shopping).

Die Verbreitung von Wetter-Apps ist übrigens auch ein gutes Beispiel für die Kombination von Crossover-Kategorien (in diesem Fall einer kleinen Kategorie) mit der gezielten Anwendung für die Apple Watch. Diese Kategorie rangiert bei watchOS gleich vier Plätze höher als bei iOS.

Die Top 5 der App Store-Kategorien mit Unterstützung für Apple Watch

Plattformexpansion und Kategorienverschiebung

Die Apple Watch-Plattform ist nicht einmal ein Jahr alt, weshalb die Anzahl der watchOS-Apps auch nur einem kleinen Bruchteil des gigantischen App-Angebots für iOS entspricht. Viele der ersten watchOS-Apps stammen von erfolgreichen iOS-Entwicklern, die dabei durchaus ein gewisses Risiko im Hinblick auf die Nutzerbindung und ihre finanziellen Ressourcen eingegangen sind. Sie halten dieses Risiko jedoch durch Markenbekanntheit und eine große Installationsbasis gering.

Ein aktuelles Beispiel hierfür ist das App-Update für Vine, das zu Beginn des Monats von Twitter veröffentlicht wurde. Twitter präsentiert seine Apple Watch-App mit einer neuen Funktion, die es Nutzern ermöglicht, das Audiomaterial in einem Vine-Clip zu remixen. Neben dieser Funktion bietet die Apple Watch-App auch die Möglichkeit, Updates von Vine-Nutzern zu erhalten, denen man folgt. So kann Twitter eine neue Funktion über die Apple Watch-App promoten, die wiederum auf die große Nutzerbasis von Vine zurückgreift (laut Store Stats eine der Top-150-Apps für iPhone in den USA).

Dennoch zeigt die Zusammenstellung der Kategorien für die Apple Watch verständlicherweise immer noch Unterschiede gegenüber den App-Kategorien von iOS. Schließlich weist kein anderes Produkt von Apple ähnliche Hardwarebeschränkungen auf. Zudem stehen iOS-Entwicklern unzählige Möglichkeiten offen, ihr Angebot über ihre aktuellen iPhone-Apps hinaus zu erweitern. Neben Apples CarPlay-Erweiterung für iOS und der spielefreundlichen tvOS-Plattform gibt es noch eine ganze Reihe weiterer iPhone-Technologien wie HomeKit und Metal, die Spielraum für Entwicklungen bieten.

Je stärker die Installationsbasis der Apple Watch zunimmt, umso mehr werden Entwickler aus den großen Kategorien einsteigen, angelockt von Apples Erfolgsbilanz in Sachen App-Monetisierung. Ein Großteil der iOS-Spiele lässt sich sicher für die Watch adaptieren. Und auch die großen iOS-Kategorien Business und Bildung bieten viel Potenzial, da sich diese Apps ohnehin in vielerlei Weise direkt ablesbarer Benachrichtigungen und zweckdienlicher Eingaben bedienen. Mehr und mehr neue Entwickler werden für ein umfassendes und ausgewogenes Angebot an Watch-Apps sorgen. Und ganz gleich welche neuen Features und Funktionen Apple für das immer ausgereiftere watchOS auch veröffentlichen wird – die First Mover der Branche werden sie mit großer Aufmerksamkeit verfolgen.

Porträt Ross Rubin Ross Rubin ist Senior Director of Industry Analysis bei App Annie.

2015 M12 10

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