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Mobile App Strategy

MWC 2017: Mobile durchdringt jede Branche

App Annie

Ähnlich wie das Internet werden Apps zu einem untrennbaren Bestandteil jeder Branche.

Es scheint, als würden auf dem Mobile World Congress jedes Jahr weniger große Produkte enthüllt. Einer der Gründe ist die Furcht, im Getümmel des Events unterzugehen. Einige Unternehmen haben genügend Prestige, um sich in diesem Getümmel Gehör zu verschaffen. Dies gilt zum Beispiel für die vom MWC unabhängige Veröffentlichung von YouTube TV durch Google. Wichtiger ist jedoch, dass die Mobilbranche nun deutlich reifer geworden ist. Daher konzentriert sich die Branche auf Iterationen, Wachstum und die Erschließung neuer Märkte mit Apps und Services, statt auf neue Hardwareinnovationen.

Services bestimmen den MWC, nicht Hardware

Ein Beispiel für den Fokus auf Services war Motorolas Partnerschaft mit Amazon und der Etablierung von Alexa als standardmäßigem „Sprachassistenten“ auf Motorola-Smartphones, die eine der ersten Ankündigungen auf dem MWC war. Schon auf der diesjährigen Consumer Electronics Show war Alexa eines der bedeutendsten Gesprächsthemen. Amazons Partnerschaften mit Android-OEMs kommen zu einem interessanten Zeitpunkt, denn gleichzeitig wird Google Assistant auf Android-Flaggschiffen jenseits von Google Pixel etabliert. Der Wettbewerb zwischen Amazon und Google ist mit unterschiedlichen Geschäftsmodellen verknüpft, aber die unmittelbaren Ziele sind sehr ähnlich: die Einführung eines Computerparadigmas, das Sprache und KI ins Zentrum stellt. Trotz allem – und wie in unserem Beitrag zu Verschiebungen des Computerparadigmas schon erwähnt – ist es nur schwer vorstellbar, dass die Sprachsteuerung die grafische Benutzeroberfläche (GUI) auf Smartphones ablöst. Auf Android Phones liegt der Anteil der Sprachinteraktionen bei weit unter 2 % der Interaktionen insgesamt, da das Navigations- und Nutzungsverhalten der Smartphone-Nutzer fest etabliert ist. Dieses Muster zu brechen, ist eine schwierige Herausforderung, selbst für Unternehmen mit enormen Ressourcen und Möglichkeiten.

 

Der Fokus auf Branchen jenseits mobiler Hardware wurde schon zu Beginn des MWC sehr deutlich, da das Eröffnungsevent ein Interview mit Netflix CEO Reed Hastings war. Das Interesse an den Ambitionen von Netflix ist groß, da Mobilgeräte die Distanz zwischen Zuschauern und Live-Inhalten verkürzen. Die Nutzer müssen nicht mehr vor dem Fernsehgerät sitzen, um TV-Zuschauer zu sein – mit einem Mobilgerät stehen die Inhalte überall zur Verfügung. Auch wenn es natürlich weiterhin vor allem auf die Inhalte ankommt, lautet eine wichtige Lektion für Medienunternehmen, dass der Mobilsektor die Machtverhältnisse deutlich in Richtung der Verbraucher verschoben hat. Angesichts der zahlreichen Optionen erwarten Verbraucher nicht nur erstklassige Storys, sondern auch ein reibungsloses Streaming-Erlebnis und die Fähigkeit, die Inhalte überall und jederzeit abrufen zu können. Wer auch nur in einer dieser Kategorien nicht liefern kann, läuft Gefahr, Kunden und Umsatz an Mobilprofis wie Netflix zu verlieren.

Die Medienbranche wurde in den letzten 10 Jahren durch den Mobilsektor nachhaltig verändert, aber das gilt für viele Branchen.

Privatkundenbanken führen Innovationen zur Optimierung des mobilen Bezahlens ein

In der Bankenbranche kündigte Visa an, seine Everywhere-Initiative im März in Europa einzuführen. Dieses Programm bietet 50.000 € in bar sowie kontinuierlichen Entwicklungssupport für Startups, die Innovationen zum mobilen Bezahlen entwickeln. Das Timing dieses Schritts ist interessant, da sich der Bankensektor derzeit mit den Perspektiven angesichts der kürzlich erlassenen Zahlungsdiensterichtlinie (PSD2) und deren Auswirkungen auf die Konkurrenz durch Fintech-Startups beschäftigt. Wir glauben, dass sich das Privatkunden-Banking an einem ähnlichen Scheideweg befindet, an dem die Telekommunikationsbranche vor 10 Jahren war, als große Platzhirsche die Kundenerfahrung dominierten. Allerdings werden Entwicklerinnovationen, auch dank der durch die PSD2 verursachten Verschiebung zu offenen APIs, zu OTT-Apps (over-the-top) im Finanzsektor führen, die leichter zu bedienen sind und eine bessere Nutzererfahrung bieten. Dies wird auch den gefühlten Wert verschieben, bei Platzhirschen und Startups gleichermaßen, sodass ein bedeutendes Investitionsfeld entsteht.

Als Nächstes gab MasterCard eine Partnerschaft mit Oracle bekannt, in deren Rahmen das Zahlungserlebnis in Geschäften entwickelt und skaliert werden soll. Dies umfasst Qkr! With Masterpass, eine MasterCard-App, die bereits von Partnern wie Wagamama und Carluccio’s genutzt wird. Mit dieser App können Nutzer Waren und Dienstleistungen bestellen und bezahlen, ohne sich anstellen oder im Restaurant auf eine Bedienung warten zu müssen. Dies zeigt, dass der Einzelhandel und die Gastronomie sich des Potenzials mobiler Zahlungsmethoden bewusst werden. Ursprünglich drehte sich der Hype vor allem um Zahlungen per Nahfeldkommunikation (NFC), doch das Zögern der Verbraucher machte deutlich, dass diese Methode nicht geeignet war, Reibung abzubauen. Stattdessen war es die Zahlung auf dem Gerät oder in einer App, die den Nutzern das Leben erleichterte. Da die Verbraucher eine Bestellung aufgeben und im Voraus oder während sie im Restaurant sitzen bezahlen können, bauen diese Zahlungsmodelle einen Großteil der Reibung ab, die mit herkömmlichen Kassen verbunden sind. Starbucks ist in diesem Feld ein Vorreiter, und der Rest der Branche folgt nun diesem Beispiel.

SAP arbeitet an stärkeren Apps auf Enterprise-Level

Schließlich kündigte SAP in Partnerschaft mit Apple ein Cloudplattform-SDK für iOS an, das Entwickler dabei unterstützen soll, Apps auf „Enterprise-Level“ zu erstellen. Enterprise-Apps sind individuell, da es selten eine Patentlösung gibt. Stattdessen werden diese Apps in der Regel direkt im Unternehmen entwickelt, um die spezifischen Anforderungen der Belegschaft und der Unternehmenssysteme zu erfüllen. Und natürlich muss die Nutzererfahrung exzellent sein, damit die App auch angenommen wird. Die SAP-Partnerschaft ermöglicht es Enterprise-Entwicklern, weniger Zeit für die Optimierung der Nutzererfahrung und mehr Zeit für die Entwicklung der richtigen Tools aufzuwenden.

Seit einigen Jahren wird immer deutlicher, dass der Mobilsektor keine separate Branche mehr ist, sondern sich vielmehr horizontal durch alle Branchen zieht. In diesem Sinne gibt es genauso wenig einen „App-Markt“ wie es einen „Internet-Markt“ gibt. Ähnlich wie wir es beim Internet erlebt haben, werden Apps zu einem untrennbaren Bestandteil jeder Branche werden, und der MWC 2017 hat gezeigt, dass die Unternehmen zu Investitionen bereit sind, um an dieser Zukunft teilzuhaben.

2017 M03 7

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